(1) Remmler - Kabisch [E97]
Schnellturnier (15 Min.) Freudenstadt, 31.05.2008
[Remmler,HP]



1.d4 Sf6 2.c4 d6 3.Sc3 g6 4.e4 Lg7 5.Le2 0-0 6.Sf3 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.b4 a5 10.bxa5 Txa5 11.a4
Nicht das Stärkste laut Theorie, aber die weiße Stellung dürfte gerade noch haltbar sein.

11...Sh5 12.La3?!
Zweifelhaft. In etwa hier dürfte die Phase einsetzen, die meinen Gegner nach der Partie zu der Feststellung veranlasste, ich hätte die ganze Partie über auf Verlust gestanden.

12...Sf4 13.Lb4 Ta6 14.c5 Sxe2+ 15.Dxe2 f5 16.Sg5 fxe4
[16...h6 17.cxd6 cxd6 18.Se6 Lxe6 19.dxe6= ]

17.Dxe4? h6?
[Stärker ist 17...Tf4 18.Db1 dxc5 19.Lxc5 Sxd5-/+ Ganz offensichtlich wurde der Nachziehende durch das erbärmlich schlechte Spiel des Weißen zu dieser Ungenauigkeit provoziert. ]

18.cxd6
Danach wäre die Stellung objektiv wieder als etwa ausgeglichen zu beurteilen, aber natürlich besteht, wenn der große Kabisch gegen einen Patzer spielt, zu Objektivität keinerlei Anlass.

18...cxd6 19.Se6 Lxe6 20.dxe6 Tb6 21.Sd5?
[21.La5+- Tf4 22.Lxb6 Dxb6 23.Sd5+- hatte der klägliche Führer der weißen Steine sogar gesehen, allein nahm er in seiner gottlosen Verblendung an, die Textfortsetzung sei noch stärker. Weit gefehlt. ]

21...Sxd5 22.Dxd5 De7 23.La5? Tc6 24.Lb4
[Orientierungslos, aber dem Weißen war zuvor entgangen, dass 24.Tab1 wegen 24...Tc5=/+ nichts fruchtet. ]

24...Te8 25.Tfc1?!
Erneut ein schwächlicher Zug. Weiß bricht unter dem Druck des gewaltigen Gegners zusammen.

25...e4
[Mit großer taktischer Meisterschaft vorgetragen. Einfacher und besser ist jedoch 25...Dxe6 ]

26.Tab1 Dxe6 27.Dxe6+ Txe6 28.Txc6 bxc6 29.a5 c5 30.a6
Nur ein alberner Zufall und Stellungsglück lassen es zu, dass die überlegene Zentrumsstrategie des Nachziehenden durch den lächerlichen weißen Freibauern überhaupt belästigt werden kann. Nach Lage der Dinge steht allerdings Weiß, ohne irgendetwas zur Partie beigetragen zu haben, nun plötzlich objektiv auf Gewinn, was die Anmerkung im 12. Zug aber nur scheinbar relativiert: Zum Thema Objektivität wurde das Nötige bereits gesagt, deshalb hat sich im höheren Sinne an der Gewinnstellung des Schwarzen nichts geändert.

30...Te7[] 31.Ld2?!
Ein naheliegender, aber wie nicht anders zu erwarten erneut schwächlicher Zug. Richtig war [31.Lc3!! Lf8 (31...Lxc3 32.Tb8+ Kf7 33.Tb7+- ) 32.Lg7!!+- Es lohnt sich, diese fantastische Zugfolge mit dem Computer zu überprüfen. Gewiss hatte der Nachziehende all dies bei seinem 29. Zug vorausberechnet, allerdings auch völlig zu Recht kalkuliert, seinem minderwertigen Gegner würde diese kleine Feinheit entgehen. Objektiv bliebe Schwarz nun nichts Besseres als 32...Ta7 33.Lxf8 Txa6 34.Lxh6 . Dem anfängerhaften Weißen wäre damit eine Mehrfigur in den Schoß gefallen, allein würden es die verbundenen Freibauern zum einen und der eklatante Spielstärkeunterschied zwischen beiden Kontrahenten zum anderen nach wie vor rechtfertigen, von einer aus praktischer Sicht und im Sinne der Gerechtigkeit im Schach gewonnenen Stellung für Schwarz zu sprechen. ]

31...d5 32.Tb7?!
[32.Tb8+ Kh7 (32...Kf7 33.Lf4 e3 34.fxe3 c4 35.Ld6 Txe3 36.Tb7+ ) ]

32...Txb7 33.axb7 Le5 34.Lxh6
In blindem Materialismus vergreift sich der Weiße am unwichtigsten Bäuerlein auf dem Brett. Pures Glück, dass es auch der beste Zug ist.

34...c4 35.f3?!
[Der endspieltechnisch unfähige Weiße verzichtet auf 35.g3 Lb8 36.Lf4 La7 37.b8D+ Lxb8 38.Lxb8 c3 39.Kf1 c2 40.Lf4 d4 41.Lc1 Kf7 42.Ke2 Ke6 43.Kd2 d3 44.Ke3 . Wird doch noch die Gerechtigkeit siegen?]

35...c3
[35...exf3 war möglich, würde dem Weißen aber Remischancen lassen und war deshalb zu verwerfen. ]

36.fxe4 d4
Der Triumphmarsch der verbundenen Freibauern steht kurz vor der Vollendung.

37.Kf2 d3 38.Ke3 d2 39.Ke2+- Lxh2 40.Le3 Kf7
[40...Lb8 41.Ld4+- (41.g3?? Lxg3 42.La7 Kf7 43.b8D Lxb8 44.Lxb8 Kf6= ) ]

41.La7 Kf6 42.Ld4+
[42.e5+ Lxe5 43.Ld4 wäre etwas angeberisch. ]

42...Kg5 43.Lxc3??
[43.e5! bot sich hier allerdings an, aber der Weiße sieht nichts außer dem zu schlagenden Material. Leider steht er danach immer noch auf Gewinn. ]

43...Lb8 44.Lxd2+ Kg4 45.Kd3 Kg3 46.Kd4 Kxg2 47.Kd5 Kf3 48.Lb4 g5 49.Ld6 La7 50.b8D Lxb8 51.Lxb8 Kg4 52.e5 Kf5 53.e6 Kf6 54.Kd6
Und nach einigen weiteren Zügen musste sich der Schwarze, der unbestrittene Held dieser Partie, der grobschlächtigen materiellen Übermacht des Weißen geschlagen geben. Es dürfte somit zweifelsfrei bewiesen sein, dass Herrn Kabischs Feststellung unmittelbar nach der Partie, Weiß habe "die ganze Zeit auf Verlust" gestanden, nur aufrichtig zuzustimmen ist. Das Ergebnis der Partie bleibt daher eine betrübliche, aber letztlich belanglose Randerscheinung in einer leider nicht immer gerechten Welt.

54...g4 55.e7 Kf7 56.Kd7 Kg6 57.e8D+ Kg7 58.Le5+ Kh6 59.Dh8+ Kg6 60.Ke6 Kg5 61.Dg8+ Kh6 62.Kf5 Kh5 63.Dg5# 1-0